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XENIA, die spezialisierte Fachstelle für Sexarbeit im Kanton Bern, berät Sexarbeiter*innen, Behörden, sowie Betreiber*innen und informiert Medien und andere Interessierte in Fragen rund um das Sexgewerbe.

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Über XENIA

Als spezialisierte Fachstelle beraten wir Sexarbeiter*innen im Kanton Bern und stellen unser Fachwissen Etablissement-Betreibenden, Behörden, Medien, Politiker*innen und anderen Interessierten zur Verfügung.

Die Arbeit der Fachstelle umfasst weiter die aufsuchende Sozialarbeit.


Unseren neusten Jahresbericht (deutsch) finden Sie hier.

Das Leitbild von XENIA können Sie hier herunterladen: Leitbild


Die Fachstelle ist als Verein organisiert und hat einen ehrenamtlichen Vereinsvorstand. Informationen zum Verein, den Vorstandsmitgliedern und zu einer Mitgliedschaft finden Sie in der Rubrik «der Verein XENIA».

XENIA verfügt über einen Leistungsvertrag mit dem Kanton Bern.

Fachstelle

Die Fachstelle

Das vierköpfige Team der spezialisierten Fachstelle berät Sexarbeiter*innen, Behörden und Betreiber*innen und informiert Medien und andere Interessierte in Fragen rund um das Sexgewerbe. Gesundheit, Schuldensanierung, Psychosoziale Beratung, Weitervermittlung an Ärzt*innen und Jurist*innen oder auch Steuerberatung sind Themen, welche die Beraterinnen mit den Sexarbeiter*innen angehen. Die Arbeit der Beratungsstelle umfasst weiter die aufsuchende Sozialarbeit: Damit wird XENIA im Sexgewerbe bekannt gemacht, erste Kontakte werden hergestellt und eine Vertrauensbasis geschaffen. Die Beraterinnen bzw. Mediatorinnen lernen so die Arbeitssituation der Sexarbeiter*innen kennen und können auch Kontakt mit den Betreiber*innen herstellen.

XENIA initiiert etliche Projekte im Gesundheitsförderungs- und Aidspräventionsbereich.

XENIA arbeitet mit Behörden und sozialen Institutionen aus dem In- und Ausland zusammen. Die Beratungsstelle engagiert sich in kantonalen Arbeitsgruppen, leistet politische Arbeit und stellt Infos, Wissen und Erfahrung den Behörden, Medien und Interessierten zur Verfügung. 


Unsere Ziele:

  • die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Sexarbeiter*innen
  • die gesellschaftliche Akzeptanz der Arbeit der im Sexgewerbe tätigen Personen fördern
  • die Sensibilisierung der Öffentlichkeit
  • die Förderung des Selbstbewusstseins der Sexarbeiter*innen
  • die Förderung der Gesundheit zur Stärkung des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens der Sexarbeiter*innen
  • die Vernetzung und Zusammenarbeit mit Organisationen mit gleichen und ähnlichen Zielsetzungen im In- und Ausland


Unsere Grundhaltung und unsere Werte:

  • Sexarbeit ist eine berufliche Tätigkeit und verdient als solche Anerkennung
  • Sexarbeiter*innen verdienen Respekt, Anerkennung und die Achtung ihrer Würde unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts, ihrem sozialen Status, ihrer Lebensform und ihrer Religionszugehörigkeit.
  • Gewalt gegen Sexarbeiter*innen soll gesellschaftlich genauso verurteilt werden wie Gewalt gegen andere Menschen. Dazu gehört, dass Sexarbeiter*innen dieselben Rechte haben und mit der gleichen Sensibilität vorgegangen wird, wie bei Gewaltdelikten gegenüber Nicht-Sexarbeiter*innen auch.
  • Sexarbeit und Menschenhandel sind klar voneinander zu unterscheiden. Sexarbeit ist eine berufliche Tätigkeit, Menschenhandel ein Verbrechen. Die Verknüpfung der beiden Themen in der öffentlichen Debatte ist Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.


Unsere Arbeitsweise:

  • Wir arbeiten parteilich und orientieren uns an Methoden des Empowerments und der partizipativen Beratung.
  • Wir unterstehen der beruflichen Schweigepflicht und beraten auf Wunsch auch anonym.

Der Verein XENIA

Der Verein

Der Verein XENIA wurde 1984 mit dem Ziel gegründet, die Akzeptanz der Bevölkerung für die Sexarbeit zu fördern und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Beratungsstelle nahm ihre Arbeit 1986 auf, nachdem eine Bedürfnisabklärung gemacht wurde und jeweils einmal wöchentlich ein Treffpunkt für Sexarbeitende erfolgreich angeboten wurde. Bis 2009 war der Verein nur für die Sexarbeitende der Stadt Bern zuständig. Heute hat sich das Tätigkeitsfeld des Vereins XENIA erweitert: Die Fachstelle ist für den gesamten Kanton verantwortlich und hat seit 2010 Leistungsvertrag mit dem Kanton Bern abgeschlossen. 
Seit der Gründung des Vereins arbeiten die Vorstandsfrauen ehrenamtlich für die Weiterentwicklung der Fachstelle. Der Vorstand legt in ca. acht Sitzungen im Jahr die strategische Richtung fest, organisiert Projekte und vernetzt sich auf politischer Ebene. 


Die Statuten des Vereins wurden an der Mitgliederversammlung 2016 das letzte Mal überarbeitet und können hier heruntergeladen werden.

Das Organigramm des Vereins und der Fachstelle gibt es hier .


Interesse an einer Mitgliedschaft?

Mitglied werden


Vorstandsmitglieder:

Präsidentin: Eva Hauser  praesidentin@xeniabern.ch

Vize-Präsidentin: Miriam Schwarz

Recht: Maria Schultheiss

Politik: Meret Schindler

Aktuarin: -

Medienarbeit Verein: Myriam Stucki 076 417 33 24 (Für Fragen rund um das operative Geschäft finden Sie die Kontaktangaben in der Rubrik «Medien»)

Jahresberichte

Jahresbericht 2018
Jahresbericht 2017
Jahresbericht 2016
Jahresbericht 2015
Jahresbericht 2014
Jahresbericht 2013
Jahresbericht 2012
Jahresbericht 2011
Jahresbericht 2010
Jahresbericht 2009
Jahresbericht 2008
Jahresbericht 2007
Jahresbericht 2006
Jahresbericht 2005
Jahresbericht 2004
Jahresbericht 2003
Jahresbericht 2002
Jahresbericht 2001
Jahresbericht 2000
Jahresbericht 1999
Jahresbericht 1998
Jahresbericht 1997
Jahresbericht 1996
Jahresbericht 1995
Jahresbericht 1994
Jahresbericht 1993
Jahresbericht 1992
Jahresbericht 1991
Jahresbericht 1990
Jahresbericht 1989
Jahresbericht 1988

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Beratung

Beratungen für Sexarbeiter*innen

Wir bieten Beratung für Sexarbeiter*innen in allen Lebensbereichen. Wir unterstützen Frauen, Transmenschen und Männer, die im Kanton Bern im Sexgewerbe arbeiten. Die Beratungsstelle bietet Zeit und Ruhe für Fragen und Beratungen im geschützten Raum. Wir beraten auch anonym: Sexarbeiter*innen können sich beraten lassen, ohne ihren (richtigen) Namen anzugeben.


Mögliche Themen in der Beratung sind:

  • Fragen zum Prostitutionsgewerbegesetz im Kanton Bern
  • berufliche und persönliche Probleme
  • Gesundheit und HIV /STI-Prävention
  • Schuldensanierung
  • Steuern
  • juristische Fragen
  • Berufswechsel und Einstiegsberatung
  • Arbeit und Weiterbildung


Auf Wunsch unterstützen wir Sexarbeiter*innen bei Kontakten zu den Behörden.


Zudem macht das Beratungsteam regelmässig aufsuchende Arbeit. Wir kontaktieren die Sexarbeiter*innen an ihrem Arbeitsplatz, beraten vor Ort, erteilen Auskünfte, schaffen eine Vertrauensbasis mit dem Ziel, die Sexarbeiter*innen zu ermutigen, sich bei zusätzlichen Fragen und für weiterführende Beratungen an die Beratungsstelle zu wenden. Alle Mitarbeiterinnen unterstehen der Schweigepflicht, wir geben keine Informationen weiter, ohne Einverständnis der Klient*innen.


In der Schweiz ist Sexarbeit eine legale Tätigkeit. Im Kanton Bern sind die Rahmenbedingungen im Prostitutionsgewerbegesetz und der Prostitutionsgewerbeverordnung festgelegt. Zusätzlich sind ausländerrechtliche Bestimmungen und die Zonenvorschriften der jeweiligen Gemeinden zu berücksichtigen.

Beratungssprachen und Kosten

Die Beratungen finden in Deutsch, Französisch, Rumänisch, Thailändisch, Englisch, Spanisch oder Italienisch statt. Bei Sprachen, welche durch die Mitarbeiterinnen nicht abgedeckt werden, ziehen wir die kulturellen Mediatorinnen oder Übersetzerinnen bei.
Die Sexarbeiter*innen bezahlen für Beratungen auf der Fachstelle einen Jahresbeitrag von CHF 30. Bei finanziellen Schwierigkeiten kann der Jahresbeitrag erlassen werden.


Unser Büro befindet sich in Bern am Langmauerweg 1 (siehe Karte)


Telefonisch erreichbar sind wir von Montag bis Freitag von 13.30 Uhr bis 16 Uhr unter 031 311 97 20 oder 079 511 97 20.

Die thailändische Beraterin ist am Dienstag von 13 Uhr bis 16 Uhr unter der Nummer 079 311 97 11 erreichbar. 

​Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung und HIV-/STI-Prävention

Die kulturellen Mediatorinnen (alle mit Migrationshintergrund) sind ausschliesslich aufsuchend unterwegs, besuchen die Sexarbeiter*innen im ganzen Kanton Bern im Salon/Bordell, im Cabaret, in der Kontaktbar und auf der Strasse. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Gesundheitsförderung und der HIV/STI (sexually transmitted infections)- Prävention. Die gleiche Muttersprache und der ähnliche kulturelle Hintergrund der Mediatorinnen und der Sexarbeiter*innen erleichtert Vieles und kann unterstützend wirken, um weitere Beratungen auf der Fachstelle in Anspruch zu nehmen.

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LEXI App: Ein Mobile App für Sexarbeiter*innen in der Schweiz

Arbeiten Sie als Sexarbeiter*in in der Schweiz? In der App finden Sie alle wichtigen Informationen dazu. 

PROKORE LEXI App


LEXI App bietet wichtige Infos zur Arbeit, Sicherheit, Gesundheit, Steuern und Sozialversicherungen für Sexarbeiter*innen in der Schweiz!

Die App ist gratis und es braucht keine Registrierung.

Sie ist in den folgenden Sprachen verfügbar: Deutsch, English, Français, Italiano, Español, Português, Română, Magyar, български, Polski, ไทย, slovenský.


iOS: https://itunes.apple.com/ch/app/lexi-app/id1347841110?mt=8 

Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=ch.r...

Prokore ist ein schweizerisches Netzwerk zur Verteidigung der Rechte von Personen, die in Berufen des Sexgewerbes arbeiten. Die Mitgliedschaft setzt sich zusammen aus Aktiven Vereinigungen aus dem Kreis der weiblichen und männlichen Prostitution, und aus Personen, die im Sexgewerbe arbeiten.

Jahresbericht 2018

Edito vom Jahresbericht 2018


Liebe Leser*innen


Das Milieu und auch die Sexarbeiter*innen haben die Eigenschaft, sich immer wieder den gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. Das bedeutet, dass auch XENIA diese Eigenschaft kultivieren muss, um den Kontakt zum Milieu und den Sexarbeiter*innen zu behalten. Gleichzeitig wollen wir Kontinuität und Zuverlässigkeit sicherstellen, um eine solide Basis anbieten zu können, um Kontakte zu knüpfen und bei Bedarf professionell beraten zu können.


XENIA hat die vergangenen 35 Jahre stets zielorientiert aber auch sehr agil gearbeitet. 2018 hat XENIA einen Strategieplanungsprozess gestartet: Vorstand und Mitarbeiterinnen haben sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob und inwiefern die Angebote der Fachstelle angepasst oder erweitert werden müssen und ob es allenfalls auch Bereiche gibt, auf die verzichtet werden kann.


Schon seit langem in der Schweiz und als Sexarbeiterin tätig ist «Laura». Die Fachstelle lernte sie und ihre Tochter «Katy» vor mehreren Jahren bei der aufsuchenden Arbeit kennen. Sie arbeiten zusammen in einem Studio. Der freie Journalist Timo Kollbrunner führte mit ihnen für unseren Jahresbericht ein Gespräch über ihre Arbeit, ihre Familie und das alltägliche Versteckspiel.


Im laufenden Jahr sind Sie herzlich eingeladen mit uns unser 35-jähriges Jubiläum zu feiern: «Traumgirl» – eine Neuauflage und ein Gegenstück zu Daniel Hellmanns Solo-Performance «Traumboy» über männliche Prostitution – wird im Rahmen des Jubiläums vom Verein XENIA im Schlachthaustheater Bern gezeigt. Zusammen mit XENIA kann sich das Publikum vom 19. – 23. November 2019 mit Sexarbeit und Zuschreibungen aufgrund von Gender, Stigma, Fiktion und Realität auseinandersetzen.

Zusammen mit einzelnen Kirchgemeinden wird XENIA im Jubiläumsjahr auch Anlässe rund um den «internationalen Hurentag» organisieren, der seinen Ursprung in einer Kirchenbesetzung in Lyon an einem 2. Juni in den 70er Jahren hat.

Wir freuen uns über bekannte und neue Gesichter an einem oder mehreren dieser Anlässe!


Wir möchten an dieser Stelle ganz herzlich für Ihre Treue und Unterstützung danken! Viel Lesevergnügen wünscht


Eva Hauser

Präsidentin Verein Xenia Fachstelle Sexarbeit

2. Juni Internationaler Hurentag – Hintergründe

Internationaler Hurentag – 2. Juni: Entstehungsgeschichte und Hintergründe

Artikel als PDF mit Hintergrundinformationen zu XENIA

Ab Anfang der 70er Jahre unternahm die Polizei Verfolgungsjagden auf Sexarbeiterinnen, die man mit Bussen wegen «zur Unzucht aufforderndem Verhalten» belegte. Bei mehrfacher Verurteilung drohte eine Haftstrafe. Zum anderen wurden rückwirkend Steuerbescheide auf ein exorbitant hoch geschätztes Einkommen erteilt. Das alles wollten sich die Frauen nicht länger gefallen lassen. Die polizeilichen Repressalien zwangen die Frauen, zunehmend im Verborgenen zu arbeiten. Dadurch entfiel deren Schutz durch die Öffentlichkeit und dies führte zu vermehrten Gewalttaten gegen sie.

Im Februar 1975 demonstrierten in Marseille vor dem Polizeipräsidium Sexarbeiterinnen für ihre Rechte, den Zugang zur Sozialversicherung und gegen Polizeischikanen. Das war zwar neu und außergewöhnlich, doch der Protest blieb folgenlos. Die Frauen aber gaben nicht auf. 
Nach zwei Morden und der fehlenden Bereitschaft der Regierung, die Situation der Prostituierten zu verbessern, besetzten Sexarbeiterinnen in Lyon schließlich eine der örtlichen Kirchen:
Am 2. Juni 1975 besetzten um die 100 Sexarbeiterinnen die Kirche Saint-Nizier in Lyon. Die Sexarbeiterinnen teilten mit, dass sie die Kirche nicht verlassen würden, bevor die Haftbefehle und Bussen gegen mindestens zehn der Sexarbeiterinnen nicht aufgehoben werden würden. Die Haftbefehle und Bussen hatten die Frauen erhalten, weil sie aktiv Kunden angeworben und somit gegen das Prostitutionsverbot verstossen hatten. Es handelte sich also nicht nur um eine Besetzung sondern war für einige Frauen ein Kirchenasyl, weil sie wussten, dass sie in der Kirche nicht verhaftet werden würden. Sie hängten an der Kirche Transparente mit der Aufschrift «Hierher haben sich die Prostituierten von Lyon geflüchtet“ und „Unsere Kinder wollen nicht, dass ihre Mütter ins Gefängnis kommen» auf. 
Die Sexarbeiterinnen riefen einen „Generalstreik“ aus. „Die Prostituierten sind die am stärksten unterdrückten, am meisten gehassten und verfolgten aller Frauen. Heutzutage sind sie auch die Bewusstesten und die am stärksten Kämpfenden“, erklärte Kate, eine der Besetzerinnen. Der Protest breitete sich auf mehrere französische Städte aus. 
Der Streik sei eine klare und direkte Antwort auf die Lebensbedingungen von Prostituierten: auf die Quälereien seitens der Polizei, auf die Heuchelei der Gesellschaft, die sexuelle Unterdrückung, die Ausbeutung der Frau und die Erpressung. «Der Kampf aller Frauen hat seinen Anfang genommen, und er beginnt hier. Das Beste wird noch kommen!», verkündete Kate.
Die Kirche Saint Nizier ist eine katholische Kirche und die Sexarbeiterinnen wurden vor und während der Besetzung von katholischen Aktivist*innen der Bewegung „nid“ (Nest) unterstützt. Diese Gruppierung war eng mit der christlichen Arbeiter*innenbewegung (jeunesse ouvrière chrétienne) vernetzt und unterstützte Sexarbeiterinnen bereits seit mehreren Jahren mit Beratung und moralischem Support. Ebenfalls unterstützt wurden sie von einem jesuitischen Pfarrer und Anwalt, Herr Boyer. Boyer war dafür bekannt, sich für die Rechte von marginalisierten Gruppen einzusetzen.
Neben der Unterstützung durch die kirchlichen Akteure für bessere Arbeitsbedingungen, hatte die Kirchenbesetzung zwei weitere grosse Vorteile: einerseits waren die Frauen relativ gut vor einer Verhaftung geschützt, da Kirchen traditionell als neutraler Ort, wo Unterdrückte und Verfolgte Kirchenasyl beantragen konnten, andererseits bot die Kirche den nötigen Schutz, damit die Sexarbeiterinnen nicht von allen gesehen werden konnten. Dies war für die Frauen wichtig, wussten doch viele Familien der Sexarbeiterinnen nicht, welche Arbeit sie ausübten.
Für die Diskussion über die Rechte der Sexarbeiterinnen, welche aufgrund dieser Aktion international geführt wurde, war das Zusammenbringen von Kirche und Sexarbeit ein zentraler Moment: dass die Kirchen die Sexarbeiterinnen unterstützte, dass Sexarbeit und Religion sich nicht ausschliessen, half, dass die Forderungen der Sexarbeiterinnen als „legitimer“ wahrgenommen worden sind.
Der Pfarrer der Kirche Saint Nizier kannte einige der Sexarbeiterinnen persönlich, waren sie doch Teil seiner Gemeinde. Deshalb war er im Vorfeld leicht davon zu überzeugen, die Kirchenbesetzung zuzulassen. Viele der jüngeren kirchlichen Aktivistinnen aus der «Nid» Bewegung waren von der Befreiungstheologie von Paulo Freire inspiriert, welche davon ausgeht, dass die «Unterdrückten» nicht von anderen befreit werden müssen, sondern so unterstützt werden sollen, dass sie sich aufgrund der Einsicht zu ihrer persönlichen Situation selber befreien müssen.
Acht Tage lang beherrschten die Prostituierten von Lyon die Schlagzeilen und wurden durch die Aktion von vielen zum ersten Mal jenseits der üblichen Klischees und Vorurteile als Berufstätige, als Frauen und Mütter – schlicht als Menschen wahrgenommen. Als Sexarbeiterinnen, die nicht mehr forderten als ihre Menschenwürde und die ihnen zustehenden staatsbürgerlichen Rechte.
«Wenn die Gesellschaft weiterhin sagt ‚Prostituierte müssen sein», dann ist es ungerecht, dass sie die Frauen, die sie dafür braucht, wie Verbrecherinnen behandelt, zusammenschlagen und einsperren lässt“, schreiben die Besetzerinnen in einem offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten Giscard d’Estaing. «Sie sind, wie Sie selbst erklärt haben, ‚Präsident aller Franzosen’. Also sind Sie auch Präsident der Prostituierten!»
In der Politik und den Polizeibehörden allerdings fanden die Frauen weder Gehör noch Verständnis. Am frühen Morgen des 10. Juni 1975 wurde die Kirche St. Nizier von der Polizei gewaltsam geräumt. 
Weltweit demonstrieren seither an diesem Tag Prostituierte aller Geschlechter gegen Unterdrückung und die Diskriminierung ihres Gewerbes. Seit 2001 ist der rote Regenschirm Symbol dieser Bewegung.


Zusammenzug der Informationen aus Artikel von Axel Schock: https://magazin.hiv/2015/06/02/aufstand-der-huren/

Und dem Artikel von Lilian Mathieu, downloadbar unter: https://www.researchgate.net/publication/269842498_An_Unlikely_Mobilization_The_Occupation_of_Saint-Nizier_Church_by_the_Prostitutes_of_Lyon

Sexarbeit ist Arbeit - jetzt Appell unterzeichnen! Für die Rechte von Sexarbeitenden.

Wollen wir die Gleichberechtigung der Geschlechter? Ja. Wir wollen sie für alle. Wir wollen sie auch für diejenigen Menschen, die im Sexgewerbe arbeiten. Die Entscheidung, sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anzubieten, muss den Sexarbeitenden offenstehen.
Die Sexarbeit ist ein legales Gewerbe. Dies will die aktuell laufende Kampagne «Für eine Schweiz ohne Freier. Stopp Prostitution» ändern. Bestraft werden sollen die Kunden, die eine Dienstleistung kaufen wollen. Dies führt zu einer absurden Situation – die Sexarbeitenden dürften zwar ihr Gewerbe betreiben, aber ihre Kunden machten sich strafbar.
So wird das Gewerbe in die Illegalität abgedrängt. Im Verborgenen können sich die Sexarbeitenden schlecht gegen Ausbeutung und Gewalt wehren. In der Illegalität sind auch diejenigen Menschen nicht erreichbar, die Sexarbeit unter Zwang ausüben: Opfer von Menschenhandel.
Die Würde aller Menschen ist zu wahren. Auch jene von Menschen, die gesellschaftlich stigmatisierte Arbeiten ausführen.
Gleichberechtigung heisst gleiche Rechte für alle Menschen. Auch für Sexarbeitende. Sie haben das Recht auf Selbstbestimmung und Gewerbefreiheit.
Geschlechtsspezifische Gewalt und Menschenhandel sind nicht dasselbe wie Sexarbeit. Ein Sexkaufverbot erschwert den Kampf gegen Menschenhandel und den Schutz von Opfern von Gewalt.

Darum

  1. Keine Stigmatisierung von Sexarbeitenden!
  2. Faire und selbstbestimmte Arbeitsbedingungen für Sexarbeitende!
  3. Kein Verbot des Kaufs von sexuellen Dienstleistungen!
  4. Verbesserter Schutz vor Gewalt für Sexarbeitende!

Hier der Link zum Appell 



Eine Replik auf die Sonntagsblick Serie zur Prostitution - Mai 2018

XENIA, Fachstelle Sexarbeit, hat zusammen mit anderen Organisationen eine Replik auf eine Serie von Artikeln zum Thema Prostitution verfasst. Kritisiert wird vor allem die undifferenzierte und einseitige Darstellung und der fehlende Einbezug der Basisorganisationen, welche teilweise seit mehr als dreissig Jahren mit Sexarbeiter*innen arbeiten.


Als Reaktion auf die Replik hat der Sonntagsblick schliesslich ein Streitgespräch veröffentlicht.

Einige der unterzeichnenden Organisationen haben 2014 ein Diskussionspapier zum Thema Sexarbeit aus feministischer Perspektive veröffentlicht. Nicht Empörung, sondern Differenzierung helfen einen klaren Blick auf das komplexe Thema zu behalten.

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Spende

Mit einer Spende unterstützen Sie die Realisierung von Projekten unserer Fachstelle, welche direkt den Sexarbeiter*innen zu Gute kommen!

IBAN CH61 0900 0000 30 03 7914 2
PC 30-37914-2
Verein XENIA
3011 Bern

Vereinsmitglied werden

Wollen Sie Mitglied von einem Verein werden, der sich seit 35 Jahren für die Rechte der Sexarbeiter*innen einsetzt und sich in den Beratungen und durch Öffentlichkeitsarbeit für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Sexarbeiter*innen im Kanton Bern stark macht? Für nur CHF 50.- im Jahr treten Sie als Person und für CHF 100.- als juristische Person dem Verein XENIA bei. Für jeden Betrag bedanken wir uns herzlichst.

Mitglied werden
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Kontakt

XENIA, Langmauerweg 1, 3011 Bern
T 031 311 97 20 oder T 079 511 97 20
Mo – Fr, jeweils von 13.30 Uhr bis 16 Uhr.

für Thailändisch: 079 311 97 11

Thailändisch nur Di von 13–16 Uhr.

Unsere Mail: info@xeniabern.ch

Anfahrt

Bus Nummer 12 ab Bahnhof in Richtung Zentrum Paul Klee, Station Nydegg aussteigen. Strasse überqueren, Treppe bzw. Nydeggstalden runter, bei der Kreuzung links abbiegen.

Uns finden Sie hier

Impressum

Redaktion: Xenia, Fachstelle Sexarbeit
Gestaltung: Andrea Stebler, Serafine Frey
Programmierung: Jürg Nietlispach

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Medienanfragen, -berichte und Stellungnahmen

Auskünfte an Medienschaffende

Die Fachstelle gibt Medienschaffenden gerne Auskunft auf Anfragen rund um das Thema Sexarbeit. In Fragen zum operativen Geschäft erreichen Sie Frau Christa Ammann, Leiterin der Geschäftsstelle, unter cammann@xeniabern.ch oder telefonisch 031 311 97 20 (Di, Mi und Fr von 13.30 Uhr bis 16 Uhr).
Anfragen betreffend dem Verein XENIA oder auf strategischer Ebene richten Sie an Frau Myriam Stucki, Kommunikation Verein Xenia, unter 076 417 33 24. 


Presseberichte

Besteuerung an der Quelle: "Wir sind nur ein kleiner Player in diesem Kuchen" Interview mit Claudio Fischer, Steuerverwaltung Bern (Berner Zeitung vom 12. April 2019)

Besteuerung an der Quelle: "Ich werde so zum Zuhälter gemacht" (Berner Zeitung vom 3. April 2019)

Wochenthema: Sexarbeit (neo1, 18. bis 22. Februar 2019)

Frauenzentrale gegen Frauen (Luzerner Zeitung, 10. Februar 2019)

La prostitution a du mal à se faire reconnaître comme profession (RTS, 14. Januar 2019)

Ein Internetportal soll Freier und Prostituierte schützen (SRF, 19. Dezember 2018)

Strikte Prostitutionsgesetze machen Sex weniger sicher (Nachrichten Welt, 13. Dezember 2018)

Sexgewerbe kämpft in Bern ums einen Platz (Berner Zeitung, 21. August 2018)

Mit Sexarbeit das Medizinstudium finanziert (der Bund, 21. Juli 2018)

Studios sind nicht lauter als Notariate (der Bund, 18. Juli 2018)

Die Stigmatisierung dauert fort (WOZ, 12. Juli 2018)

Kritik an Prostitutionsverbot wird laut (SRF, 7. Juli 2018)

Käuflicher Sex - das Streitgespräch (Sonntagsblick, 27. Mai 2018)

Sexarbeit ist gesellschaftlich unerwünscht (Berner Zeitung, 16. April 2018)

Behörden kassieren Millionen auf Kosten von Sexarbeiterinnen (nzz, 11. Februar 2017)

Die Stadt geht mit der ideellen Keule gegen Bordelle vor  (Berner Zeitung, 23. September 2015)

Zwangsprostitution in der Schweiz ein kleines Thema. (SRF Rendez-vous vom 4. Juli 2015)

Immer mehr Frauen ziehen sich seit der Einführung des Prostitutionsgesetzes in Privatwohnungen zurück.
Interview mit Martha Wigger, (Radio Bern 1, Reporter vom 28. August 2014)

Ungewohnte Bilder aus dem Milieu Artikel zur Fotoausstellung (Berner Zeitung, 26. Juli 2014)

Das Erotikgewerbe stellt für das Volk absolut keine Bedrohung dar Interview mit Jacqueline Suter (der Bund, 23. Juli 2014)

"Madame Sexarbeit" will kürzer treten Interview mit Martha Wigger (der Bund, 1. März 2014)

Ist das Prostitutionsverbot eine Lösung? Streitgespräch mit Martha Wigger, Fachstelle XENIA, und Marianne Streiff, EVP Nationalrätin (der Bund, 28. Dezember 2013)

Mehr als 100 Sexarbeiterinnen verlieren ihren Job (Berner Zeitung, 6. August 2012)


Positionspapiere

Diskussionspapier Sexarbeit: Fakten, Positionen und Visionen aus feministischer Perspektive

Vermietung unseres Lokals

Mieten Sie das Erdgeschoss des XENIA-Haus mitten in der idyllischen Berner Altstadt – komplett mit eingerichteter Küche. Es ist ideal für bis zu 40 Personen, die ein Jubiläum feiern, eine Retraite oder eine kleine Konferenz abhalten wollen. Der Erlös kommt der Beratungsstelle und dem Nothilfefonds von XENIA zugute.

Preise

Pro Abend CHF 200

Pro Stunde (Sitzungen ohne Küchennutzung) CHF 15

Nur Küche CHF 70

Information und Reservationen: XENIA, Langmauerweg 1, 3011 Bern, T 031 311 97 20/40. Mo–Fr, jeweils von 13.30–16 Uhr, info@xeniabern.ch

Miet- und Nutzungsbestimmungen